Die Geschichte des Gasthauses

 

Die Örtlichkeit des heutigen Gasthauses „Zur Rose“ zählt zu den frühesten am Niederrhein urkundlich genannten Plätzen. Gemäß dem Kalendarium necrologikum Xantense vermachte vor dem Jahr 947 Luitgard, die Tochter Otto des Großen, den Oberhof zu Mehr – curtis in Mere - dem St. Viktorstift zu Xanten. Hierbei handelte es sich vermutlich um ein vormals aus Merowingischer Zeit stammendes Krongut mit großem Grundbesitz, wozu auch ein beträchtlicher Teil des heutigen Dorfes Mehr gehörte. Zwei Memoriensteine aus dem 8. Jahrhundert, die heute in der Katholischen Kirche von Mehr im Seitenschiff vermauert sind, benennen einen Wolfrad und eine Reginlind, wahrscheinlich einstmals Mitglieder der herrschaftlichen Familie des Oberhofes, dessen Memoiren an den Jahrestagen ihres Todes abgehalten werden sollen.

  

Die Memoriensteine in der Katholischen Kirche von Mehr

Im Mittelalter, nach der Übernahme durch das Stiftskapitel, war der Oberhof der Verwaltungssitz für die an die sogenannten Behandigten (Pächter) vergebenen Grundstücke und Hofstellen. Hierhin wurde der jährliche Zehnte errichtet und hier tagte das Ortsgericht. Bei der Trennung der Güter zwischen dem Dompropst und dem Xantener Stiftkapitel im 13. Jahrhundert reservierte sich der Probst ausdrücklich den Oberhof zu Mehr.

Im Jahre 1539 wurde der Oberhof erstmalig als Gasthaus erwähnt. Damals pachtete der Hoppenbrauer Johannes Roess und später sein Sohn Gottfried Roess das Wirtshaus von der Xantener Dompropstei. Daher leitet sich der Ursprung des Namens der Rose nicht von einer Blume ab, sondern geht auf seine ehemaligen Besitzer zurück. Im Übrigen ist dieses Gasthaus durch diese frühe Datierung eine der ältesten, wenn nicht gar die älteste, noch bestehende Gaststätte am Niederrhein. Im 17. Jahrhundert war hier die Familie van Meegen anwesend. In dieser Zeit nannte sich die Wirtschaft „unter dem Zeichen Rose“. Anschließend folgte dann die am Niederrhein bekannte Familie Lensing. Heinrich Lensing hatte auch die Fischerei an der Langen Renne gepachtet. Er, wie auch sein Nachfolger in der „Rose“ Jakob Cremer waren Schöffen am Ortsgericht Haffen-Mehr.

Die Bauernhochzeit von Pieter Breughel dem Älteren aus dem Jahr 1568 (Wien Kunsthistorisches Museum). Dieses Bild wurde etwa zu der Zeit gemalt, als die "Rose" zum ersten mal als Gasthaus erwähnt wurde. Vielleicht wurde damals eine Bauernhochzeit in der "Rose" ähnlich gefeiert.

Auszug aus dem Klever Kataster aus dem 17.Jahrhundert. Die "Rose" in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche. In dem kleinen Gebäude vor dem Gasthaus war die einstmalige Brauerei untergebracht.

Jagdverslein

zur Nachricht

Wie weit und an welchen Orten die Großbürger und Liebhaber der löblichen Stadt Nieder Wesel freie Jagdgerechtigkeit sich zu bedienen und zu gebrauchen haben.

Aufgesetzt durch F. H., Großbürger und Liebhaber der Jagd.

Den Hoch und Wohl Edlen Hoch und Wohlgeborenen, Großachtbaren, weisen und fürsichtigen Herren, Herrn Bürgermeister, Scheffen, und Rath, wie auch sämtliche Gemeind`s Freunden als Vorsteher der freien Jagdgerechtigkeit zu Nieder Wesel auch allen und jeden Großbürgern, und Liebhaber, gewidmet.

Anno 1690 den 20. September

Ein edler Rath beschloß, die Freyheit von dem Jagen
Wer Lust hat, gehe nur raus` und stell sich künlich ein
zu Jagen, wo uns Recht und Freiheit Noth kann sein,
Wir gingen auf der Jagd, die Freiheit wir bezogen,
die Deputierten Herrn derselben zu gewogen,
Die fuhren mit zur Jagt, die Offiziere auch
die waren da breit, stießen nach Jäger gebrauch
Die 2 Jagt Hörner an, wir fingen an zu Jagen,
den Flürenschen Dick hinauf, durch Flüren recht zu sagen
Bis ins bekannte Venn, vor Diersfort auf dem Berg
da jagt man rechtlich hin, auch über den Homberg
Durch Bislich, Alberkamp, Leerward wir jagten
und auch der Hübsch zu, zurück nach Mehr, da fragten
Wir alle von der Jagt, wo gehen wir hinein?
und halten mittags Mall, - zur Roose zog man ein.
Hier nach zur linken wir durch Haffen rechtlich jagten
bis auf der Reeser Schleuß, zurück wir immer wagten,
Bis das der Abend kam, und kehrten wieder ein
zur Roose, da dann sich ein jeder hielte fein.-
Bald aber kam heran, ein Herr von hohem Stande,
Graf Schellart meint ich, der redete mit Verstande
Und protestierte hoch, woher es doch herkäme,
daß man in seiner Jagt, als früh, Besitzung nehme!
Die Herren von der Stadt ihr Amt hierauf verrichten,
die Offiziere auch das Gegentheil berichten
Dem Graf da, daß es also nicht sey.-
Man ließ ihm seine Jagt, zog doch die unsere frey.
Hierauf sie beiderseits sich gütlich fest verstunden
und doch mit Freundschaftsrecht, als gute Freunde verbunden,
Sie trunken sich denn zu, zu beiderseits den Wein
daß sie mit gut Bescheid zuletzt geschieden sein.
Des anderen Tag´s wir fort von Mehren ließen gehen
durch Töven, Schleihtenhorst, zu Haldern man kam stehen.
Da wardt das Morgenbrodt uns sämtlich vorgelegt,
erquicken uns mit Lust, wir werden da bewegt
Zu trinken um und um, auf Wollfahrt und gut Leben
der Jagdliebhaberey. So dies Recht thut erheben
Von daenen wieder an Sonsfeld gleich vorbey,
auch einigen von uns bey Lehmhaus jagten frey,
Ehe daß wir alle zusammen zu Schleihtenhorst kamen,
erlangten da ein Trunk, den Weg wir weiter nahmen
Zurück durch Loikum hin, da ward uns abermal,
zu freuden für uns all, vorgelegt ein Mittagsmal.
Läng´s Ringenberg zurück zu Minkeln kamen stehen,
bis daß ein jeder wollt von uns, nach Hause gehen.
Es ward auf dieser Jagt geschossen vieles Wild
mit Windspiel, Brack und Flint, wie auch des Jägers Schild.
 

Quelle: Heimatkalender des Kreises Rees 1966

Jagdverse in denen auch die "Rose" erwähnt wird aus dem Jahr 1690

Ausschnitt von Mehr aus der Karte von M.Beyernick 1777

Ausschnitt von Mehr aus der Karte von B. van Hees 1779

Bei der Aufhebung der Propstei unter der Herrschaft des Kaiser Napoleons, am Beginn des neunzehnten Jahrhunderts, wurde auch die „Rose“ vom Staate eingezogen und öffentlich versteigert. Die Verkaufsanzeige in der Großherzoglichen Bergische Wöchentliche Nachrichten Nr.9 vom 1. März 1808 hatte diesen Wortlaut: „Gemäß Verfügung des Domänen Direktoriums zu Düsseldorf sollen zum öffentlichen Verkauf ausgestellt werden: Das Wirtshaus „die Rose“ in Mehr: 22 Holländische Morgen, 300 Ruten Acker, 24 Holländische Morgen, 10 Ruten Wiesen und Weide, 5 Holländische Morgen, 200 Ruten Buschgrund, 6 Holländische Morgen, 300 Ruten Heide. Pachtertrag 403 Reichsthaler 45 Stüber, schon geboten 10.000 Reichsthaler, vorhin der aufgehobenen Propstei zuständig. Verkaufstermine sind der 4.3 und 4.4 auf dem Rathause zu Rees.
Rees, den 20. Februar 1808 - J.E. Ueberhorst, großherzoglicher Domänen Advokat.“


 

Die Kaufurkunde aus dem Jahr 1806

Der ortsansässige Wirt und Bierbrauer Heinerich Vennemann der im heutigen Hause Block sein Lokal hatte, erwarb das Anwesen und setzte die Brauerei in der „Rose“ fort. Von nun an bis in die heutige Zeit blieb die Rose in Familienbesitz. In den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhundert wurde die hauseigene Brauerei eingestellt und das Brauereigebäude eingerissen.Von nun an bezog das Gasthaus sein Bier für über sechs Jahrzehnte von der Brauerei Kloppert aus Hamminkeln. Die Witwe des Enkels von Heinrich Vennemann, der ebenfalls diesen Namen  trug, erweiterte das Gasthaus um einen großen Saalanbau im Jahr 1913. Seitdem fanden im Saal neben Hochzeits- Geburtstags- und Trauerfeiern auch die Theatergruppe Mehr und der Turnverein Mehr für ihre Vorführungen ein Zuhause.

Bild der "Rose" aus dem Jahr 1910

Bilder von Theateraufführungen die im Saal der "Rose" stattfanden

Historische Fotos von Turnveranstaltungen im Saal der "Rose"

Aufnahme der "Rose" aus dem Jahr 1927 vom Kirchturm heraus, Aufgenommen vom damaligen Dorflehrer Ahrenhövel

Speisekarte anlässlich des 25. Pfarrjubiläum von Pastor Bernhard Liesen 

Mit solchen Biermarken konnte man vor über achtzig Jahren bei Veranstaltungen in der "Rose" seine Getränke bezahlen

Zwei Wehrmachtsangehörige posieren im Winter 44/45 vor der Rose

Im zweiten Weltkrieg, in Vorbereitung des Rheinüberganges im März 1945 wurde das Dorf Mehr, und dort vor allen Dingen die Katholische Kirche, durch die alliierte Artillerie von der linken Rheinseite aus massiv  beschossen. Während der Kirchturm gänzlich zerstört wurde, erhielt die "Rose" bei dieser Kanonade auch einige Treffer in den Dachstuhl. Die Schäden wurden nach dem Krieg durch die Hilfe vieler Hände rasch beseitigt.

Luftaufnahme der "Rose" Ende der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts

Bild auf das Hinterhaus aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts

 

 

Bilder vom Gasthaus und vom damaligen Kneipenleben aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

NRZ Ausschnitt vom 19. Juni 1970

Am 13,07.1970 wurde das Hinterhaus der "Rose, die ehemalige Scheune, ein Opfer der Flammen.

Bilder vom Neubau des Gasthauses in den Jahren 1970/71

In Folge des Brandschadens wurde die bisherige Haupterwerbslandwirtschaft eingestellt und das Gasthaus teilweise neu errichtet und modernisiert. Gleichzeitig wurde auch die Entwicklung des Campingplatzes "Zur Rose" vorangetrieben.

 

(wird erweitert)